Und was gibt’s hier zu lesen?
Die Bestseller-Listen geben keine Schmöker mehr her? Dann die gute Nachricht: Ich möchte an dieser Stelle Bücher vorstellen, die vielleicht eher abseits vom Mainstream sind, aber mindestens genau soviel Beachtung verdienen. Nicht immer ganz neu, aber ein wirklich gutes Buch ist schließlich zeitlos…
Gilles Paris: “Autobiografie einer Pflaume”
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Der kleine Icare, auch “Pflaume” genannt, erschießt aus Versehen seine Mutter, kommt ins Waisenhaus und fühlt sich da eigentlich ganz wohl. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass er sich in Camille verknallt und viele Freunde hat: den kleinkriminell veranlagten Simon, den immer wehleidigen Jujube und den leicht zu quälenden Ahmed.
Im Grunde ein trauriges Thema, aber mit sehr viel Witz aufgearbeitet. Auch sprachlich eine Freude. Übrigens: “Jujube” ist auch eine Frucht, die Chinesische Dattel. Pflaume und Dattel. Zufall?
Walter Moers: “Ensel und Krete”
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Wenn ich ein Buch geschrieben hätte, so wäre es dieses gewesen.
Nirgends liegen die Aneinanderreihung von Klischees und der Bruch mit (literarischen) Konventionen so nah beieinander, schütteln sich realer Alltag und Phantasie so innig die Hand.
Die Fhernhachenkinder Ensel und Krete verlaufen sich im großen Buntbärenwald. Dabei passieren ungeheuer viele ungeheure Dinge, mit einem Laubwolf, der Waldspinnenhexe, einem Strollentroll und vielen anderen Mitwirkenden.
Leseprobe – “Du kannst mir mal die Schere spülen”:
“Du kannst mir mal die Schere spülen” ist einer der gebräuchlichsten und zugleich drastischsten Kraftausdrücke von Zamonien. Die in den atlantischen Fellkämmereien beschäftigten Scherenspüler (sie waren damit beschäftigt, die läuseverseuchten Yetihaare aus Kämmen und Scheren zu spülen) galten lange Zeit als der niedrigste Berufsstand Zamoniens. Jemanden als “Scherenspüler” zu bezeichnen oder ihn aufzufordern, einem die Schere zu spülen, war eine grobe Beleidigung.
Leseprobe – “Hexen stehen immer zwischen Birken”:
“Hexen stehen immer zwischen Birken”, flüsterte Ensel. Das war eine dieser Weisheiten, die einem in der Kindheit von gleichaltrigen Freunden vermittelt wurden. Ensel hatte diese Auskunft von seinem Kumpel Henny von Hecken erhalten, von dem auch die Information stammte, daß die kleinen Fhernhachen in Tulpen wachsen. Er wußte selber nicht genau, warum er ausgerechnet in dieser Situation dieses Wissen an Krete weiterreichte, wahrscheinlich wollte er damit sagen, daß Hexen sich nicht in hohlen Baumstämmen aufhalten können, wenn sie ständig zwischen Birken herumstehen müssen.
Lisa Lutz: “Little Miss Undercover”
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Es ist nicht einfach, in eine Detektivfamilie hineingeboren zu sein, vor allem nicht, wenn man schon bei den kleinsten Verdachtsmomenten – wie einem neuen Liebhaber – von Vater, Mutter & Co. auf Schritt und Tritt beschattet wird. Und diese lieben Verwandten schrecken weder vor Wanzen, verkehrswidrigen Verfolgungsjagden noch subtilen Rund-um-die-Uhr-Observationen zurück. Für Isabel Spellman Grund genug, aus dem Traditionsgeschäft auszusteigen. Doch auch da möchte die Bagage noch ein Wörtchen mitreden…
Liest sich dank vielen Dialogen und skurrilen Ideen in einem Rutsch.
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